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Aktuell im Fortbildungsprogramm der BAP: Die Arbeit mit der Gegenübertragung

Am 10. und 11. November 2017 findet an der BAP im Rahmen des neuen Fortbildungsprogramms 2017/2018 eine Veranstaltung zum Thema "Die Arbeit mit der Gegenübertragung" statt. Referent: Dr. Michael Klöpper

Herr Dr. Klöpper über die Inhalte der Veranstaltung:
"Psychodynamisch denkende Therapeutinnen und Therapeuten arbeiten ziemlich oft mit der Gegenübertragung. Aber die wenigsten beachten und reflektieren sie angemessen. So jedenfalls ist meine Erfahrung als Supervisor. Ich habe den Eindruck, dass diese Arbeit deshalb immer noch ein Stiefkind aller von der Psychoanalyse abgeleiteten therapeutischen Verfahren ist, weil es so schwer fällt, die Arbeit mit der Gegenübertragung in einem verständlichen Rahmen zu konzeptualisieren. Ich möchte Ihnen meine konzeptionellen Ideen dazu vorstellen.

Ich gehe in meiner theoretischen Reflexion davon aus, dass jede Begegnung von Menschen von den Beteiligten auf unbewusste Weise handelnd gestaltet wird. Es kommt dabei zu implizit erfolgenden Handlungsdialogen, zu mikroepisodisch auftretenden, kommunikativ wirksamen Sequenzen des Miteinander, die unterhalb des verbalen Dialoges aufgenommen werden und die innerhalb weniger Sekunden das emotionale Erleben beider beeinflussen können. In Alltagsbegegnungen sind wir es gewohnt damit umzugehen und uns zu regulieren. Das diffuse Empfinden von Sympathie oder Aversion hilft uns dabei.

In der psychoanalytischen Theoriebildung wird für dieses unbewusste Phänomen der Begriff Intersubjektivität benutzt. Die Literatur dazu ist inzwischen umfangreich und wird kontrovers diskutiert. Ich beschreibe mit diesem Begriff das weitgehend akzeptierte Phänomen, dass jede menschliche Begegnung von einem implizit erfolgenden unbewussten Handlungsdialog unterlagert ist, welcher ständig beide Beteiligte emotional berührt und bewegt.

In der dynamischen Psychotherapie hat der Therapeut die Möglichkeit und die Chance zugleich, aus der Phänomenologie des intersubjektiven Geschehens Rückschlüsse auf unbewusste Zusammenhänge zu ziehen. Das kann er, indem er möglichst konsequent versucht, seine Gegenübertragung wahrzunehmen, sie zu erfassen und zu verwörtern und sie schließlich in vielfältigen Kontexten zu reflektieren. DAS ist der wesentlicher Teil der Arbeit mit der Gegenübertragung: wahrnehmen, erfassen, verbalisieren und im Kontext reflektieren, BEVOR irgend eine Intervention gemacht wird.

Mein Vortrag wird sich mit diesen Teilen der Arbeit des Therapeuten eingehend befassen, sie vertiefen und an Beispielen aus der eigenen Arbeit lebendig werden lassen.
Im Seminar wird eine weitergehende Vertiefung erfolgen und es wird sich dabei zeigen, welche Bedeutung diese Art der Arbeit mit der Gegenübertragung nicht nur für den Verlauf der einzelnen Stunde hat, sondern wie wichtig dies für den gesamten Prozess der Behandlung ist.
Ferner wird deutlich werden, dass nicht unbedingt die zutage geförderten, bislang unbewussten Inhalte dem Patienten hilfreich sind, sondern dass seine während des Prozesses erfolgende Identifikation mit der mentalen Arbeitsweise des Therapeuten ein wesentliches Element der Wirksamkeit psychodynamischer Psychotherapieverfahren darstellt. Oder anders ausgedrückt: Nicht allein das, WAS ein Mensch im Laufe seines Lebens erlebt und erfahren hat, lässt ihn erkranken, sondern WIE er das bislang -ständig wiederholend- verarbeitet, lässt die Krankheit nicht enden. Und die Arbeit mit der Gegenübertragung als reflektierende Frage des Therapeuten (im Stillen) „Wie würde ich denn damit (anders!) umgehen?“ eröffnet dem Patienten die Möglichkeit, dass er diese Frage zu reflektieren beginnen kann."

Dr. Michael Klöpper Jg. 1948 ist Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und Psychoanalytiker (DGPT) – 1982 bis 2015 kassenärztliche Tätigkeit – 1984 bis 2006 berufspolitisches Engagement in der Ärztekammer Hamburg – 1988 bis 2000 Gründungsvorsitzender der APH (Arbeitsgemeinschaft für integrative Psychosomatik, Psychotherapie und Psychoanalyse Hamburg e.V., DGPT-Institut) - Dozent, Supervisor und Lehranalytiker (DGPT) – 2003 bis 2013 Mitglied im Arbeitskreis der Psychotherapiewoche Langeoog – Gründungsmitglied der Psychodynamischen Tage Langeoog – seit 2016 im Ruhestand – seitdem Tätigkeit als Supervisor

Ausgewählte Publikationen
2000 - Klöpper, M., Lindner, R. (Hg): Destruktivität – Wurzeln und Gesichter. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht)
2004 - Konfliktzentrierte Psychotherapie – Ein selbstpsychologischer Ansatz. Selbstpsychologie, 5, 13-32
2005 - Die Bedeutung der Säuglingsforschung, Bindungstheorie und Neurowissenschaften für den psychoanalytischen Prozess.  Forum Psychoanal. 21, 184-200
2005 - „Sag mir wie ich bin“ - Affektspiegelung im therapeutischen Dialog. In: Gunkel, S. und Kruse, G.: Werte im  Wandel – Wandel als Wert? Ein Wirkungsfeld der Psychotherapie! Hannover (Hannoversche Ärzte-Verlags-Union)
2006 - Reifung und Konflikt – Säuglingsforschung, Bindungstheorie und Mentalisierungskonzept in der tiefenpsychologischen Psychotherapie. Stuttgart (Klett-Cotta)
2007 - Die Bedeutung der Bindungstheorie für die Arbeit in der ambulanten Praxis. Balint Journal 37-43
2008 - Der Fokus in der tiefenpsychologischen Psychotherapie - Ein entwicklungspsychologisches Konzept. PDP, 7, 76-87
2014 – Die Dynamik des Psychischen – Praxishandbuch für das Verständnis der Beziehungsdynamik. Stuttgart (Klett-Cotta)

Eine vorherige Anmeldung für die Veranstaltungen ist unbedingt erforderlich! Teilnahme ist gebührenpflichtig.

Informationen und Anmeldung:
Esther Fußbach, Tel. 030/209166151, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!