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Prof. Dr. Benigna Gerisch: Zur Psychodynamik der Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen

Am 05. und 06. April 2019 findet im Rahmen des Fortbildungsprogramms der Berliner Akademie für Psychotherapie ein Vortrag und ein Workshop von Frau Prof. Dr. Benigna Gerisch zum Thema "Zur Psychodynamik der Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen. Theoretische und klinische Perspektivierungen" statt.

Vortrag am 05.04.2019 (19:00 - 21:15 Uhr)
Im Vortrag wird zum einen ein Überblick über die zentralen Erklärungsmodelle und klinischen Behandlungskonzepte zur Suizidalität von Kindern und Jugendlichen gegeben.
Zum anderen wird aufgezeigt, dass für die psychotherapeutische Behandlung suizidaler Patienten das Konzept der Übertragung und Gegenübertragung grundlegend ist. Dessen ausgefeiltes Interpretations- und Behandlungsrepertoire ermöglicht es, das Ausmaß des Destruktiven und der alterstypischen Tendenz zum Acting-in und Acting-out zu dechiffrieren, in der Patient-Therapeut-Beziehung konstruktiv nutzbar zu machen und gerade auf diese Weise eine präventive Wirkung zu entfalten.

Workshop am 06.04.2019 (9:30 - 17:30 Uhr)
Die psychotherapeutische Arbeit mit Suizidalen, insbesondere mit Adoleszenten, stellt alle professionellen Behandler vor große Herausforderungen und ist stets mit vielschichtigen Ängsten und Skepsis bis hin zu radikaler Abwehr behaftet. Autodestruktives und insbesondere suizidales Erleben und Handeln ist nicht nur paradigmatisch für die Phase der adoleszenten Entwicklungskrise, sondern seit jeher mit einer eklatanten und konstanten Geschlechtsspezifität verknüpft: Männer/Jungen, und dies gilt weltweit, suizidieren sich mehr als doppelt so häufig wie Frauen/Mädchen, während umgekehrt eben jene mehr als doppelt, in der Adoleszenz sogar dreifach so viele Suizidversuche wie ihre männlichen Geschlechtsgenossen unternehmen. In diesem Beitrag werden daher zunächst die entwicklungspsychologisch relevanten, psychodynamischen Konzepte ausgefaltet, die sich mit den geschlechtsspezifisch divergierenden autodestruktiven Körperpraktiken wie Essstörungen, High-risk-Behaviour und Suizidalität befassen ¬–, und in denen die Bedeutung des Körpers und seiner je unterschiedlichen Integrations- und Anerkennungsprozesse eine wesentliche Rolle einnimmt.
Hinzu kommt: die Angst, einen Patienten durch Suizid zu verlieren, ist eklatant, und auch im Wissen um die eigene Professionalität kaum zu beschwichtigen. Antizipierte Schuld und Scham, korrespondierende Affekte des Suizidalen, wirken auch in professionellen Psychotherapeuten und befördern den zuweilen unhintergehbaren Vorbehalt, sich auf die Behandlung mit (adoleszenten) Suizidalen einzulassen, deren Agierpotential oftmals alterstypisch signifikant erhöht ist. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass bei aller klinischen Erfahrung und Sorgfalt in der Diagnostik, Indikation und Behandlung, es nicht immer verhindert werden kann, dass sich ein Patient am Ende doch suizidiert. Die schweren Schuldgefühle und Versagensängste, die sich einstellen, können so quälend sein, dass sie schließlich abgespalten und verleugnet werden. So sollen im Workshop Komplikationen und Klippen im therapeutischen Setting (Gegenübertragungshass, Agieren mit der Suizidalität während der Behandlung, sexualisierte Übertragung etc.) anhand von Fallvignetten exemplifiziert bzw. ‚durchgearbeitet’ werden. Es ist mir ein zentrales Anliegen, dass die Teilnehmer ihrerseits Fallmaterial in den Workshop einbringen.

Prof. Dr. phil. Benigna Gerisch, Diplom-Psychologin, Psychologische Psychotherapeutin, systemische Familientherapeutin, Psychoanalytikerin (DPV/IPA). Von 1990 - 2011 tätig als Psychotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Therapie-Zentrum für Suizidgefährdete am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Seit 2009: Professorin für Klinische Psychologie und Psychoanalyse an der International Psychoanalytic University in Berlin und seit 1995 Psychoanalytikerin in eigener Praxis. Zahlreiche Veröffentlichungen u.a. zur Suizidalität und Geschlechterdifferenz, Untersuchungen und Publikationen zu autodestruktiven Körperpraktiken und zur Bedeutung des Körpers im suizidalen Erleben und Verhalten sowie psychoanalytisch-literaturwissenschaftliche Studien zur Suizidalität im Film, in der Belletristik und im Theater.

Eine vorherige Anmeldung für die Veranstaltungen ist unbedingt erforderlich!

Gebühr für den Vortrag: 10 Euro; PiA: 5 Euro; PiA der BAP und StudentInnen: kostenlos
Gebühr für den Workshop: 150 Euro

Informationen und Anmeldung:
Esther Fußbach, Tel. 030/209166-151, E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!