Neuer Durchgang der Weiterbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (TP) ab Mai 2024

Nach den geltenden Psychotherapievereinbarungen können PsychologInnen und Psychologische PsychotherapeutInnen in relativ kurzer Zeit  und mit relativ wenig Aufwand neben ihrer begonnenen oder abgeschlossenen TP-Ausbildung zusätzlich die Abrechnungsgenehmigung für Kinder- und Jugendpsychotherapie erlangen. Nicht unumstritten, aber begründbar ist dieser begrenzte Aufwand vor allem durch die vorangegangene aufwändige TP-Ausbildung sowie durch das Psychologiestudium. Allerdings ist die Kinderpsychotherapie ein ganz eigenes Verfahren, z. B. mit eigenen Kommunikationsmitteln (Spiel) und eigenen Regeln. Normalerweise absolviert ein/e KindertherapeutIn die Ausbildung in 5 Jahren. Neben der Begrenztheit der Anforderungen der Zusatzqualifikation gibt es viele weitere Vorteile, die das Angebot der Zusatzqualifikation attraktiv machen:
  • Sie erweitern damit nicht nur Ihre Abrechnungsmöglichkeiten, sondern auch Ihre Arbeitsmöglichkeiten.
  • Die Arbeit mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen nebeneinander ist nicht nur abwechslungsreich, sie ermöglicht auch zahlreiche Synergie-Effekte, die sowohl Ihre theoretische als auch Ihre technische Orientierung erweitern.
  • Sie können sich mit der Abrechnungsgenehmigung für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie auch erweitert auf offene Praxissitze bewerben, haben damit sozusagen ein ‚Ass im Ärmel’, dass sich u. U. als entscheidend für die Zulassung auswirken kann, da Kinder und Jugendliche aktuell immer noch schlechter versorgt sind wie Erwachsene. Der Druck auf die Kassenärztlichen Vereinigungen, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, hat sich gerade in der letzten Zeit deutlich verstärkt.
  • Da wir in die Weiterbildung der Zusatzqualifikation die Anforderungen des Curriculums der PTK Berlin zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie nach dem Kinder- und Jugendlichen-Hilfsgesetz KJHG integriert haben, wird auch eine psychotherapeutische Tätigkeit für die Jugendämter unter bestimmten Voraussetzungen für Sie ermöglicht.
! Aktuell werden in der Psychotherapeutenkammer zum Thema KJHG in einer Fachkommission neue Standards und Vorgaben erarbeitet, sodass noch keine abschließenden Aussagen über Veränderungen möglich sind und werden Sie über Änderungen informieren.
  • Auch in der Kostenerstattung werden Ihre Möglichkeiten eine psychotherapeutische Praxis zu finanzieren erheblich erweitert, denn in der Kinderpsychotherapie sind die Wartezeiten genauso lang wie bei den Erwachsenen. Das Bundessozialgericht hat jedoch festgelegt, dass Kindern und Jugendlichen nur die Hälfte der Wartezeit auf eine Psychotherapie, nämlich 6 Wochen, zuzumuten ist. Anzumerken ist hier, dass Eltern, die für ihre Kinder eine Psychotherapie fordern, dies sehr viel vehementer tun können als dies für Erwachsene möglich ist, die für sich selbst eine Kostenerstattung gegenüber der Krankenkasse erkämpfen wollen. Zu bedenken ist auch, dass es in Berlin nur ganz wenige Praxen gibt, die Kostenerstattung für Kindertherapie anbieten.
Die Weiterbildung soll hinsichtlich der Theorievermittlung auf zwei Jahre angelegt sein. Angeboten werden 2 Wochenblöcke à jeweils 50 Unterrichtsstunden in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Der nächste Theorieblock beginnt im Mai 2024, der zweite findet im Mai 2024 statt. Die restlichen 100 Unterrichtsstunden können (aus dem Angebot der grundständigen Ausbildung KiJu) in selbst gewählten Wochenend-Seminaren abgeleistet werden. Daneben behandeln Sie 4 Fälle mit 200 Behandlungsstunden selbständig unter Supervision. Die Behandungen werden natürlich von den Krankenkassen bezahlt, sofern sie in der Institutsambulanz der BAP durchgeführt werden. Die Kosten der Weiterbildung betragen 3.490 Euro, für BAP oder PHB-Auszubildende 3.316 Euro. Die Teilnahmegebühren werden in 18 monatlichen Raten bezahlt. Hinzu kommen die Kosten für Supervision. Das Curriculum für die Weiterbildung erweitert gezielt Ihre Kenntnisse der psychoanalytischen Theorie bezogen auf die Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen und stellt damit eine interessante und anregende Vertiefung des von Ihnen bereits Gelernten dar. Viel davon werden Sie auch für Ihre Behandung von Erwachsenen gebrauchen können. Die Psychotherapie mit Kindern eröffnet die Möglichkeit, die eigene Arbeit mit Erwachsenen zu überprüfen, neu zu bewerten und zu korrigieren. So geht A. Freud davon aus, dass die psychotherapeutische Erfahrung mit Kindern dem Therapeuten hilft, sich in das innere Erleben eines regredierten Erwachsenen hineinzuversetzen. „Im übrigen werden Kandidaten, deren Persönlichkeit zu starr ist, durch die kinderanalytische Arbeit lockerer werden, während sich die Unreiferen durch den Kontakt mit erwachsenen Patienten festigen können“ (Schriften Bd. X, S. 2566). Und der englische Kinderanalytiker Donald. C. Winnicott meinte: „Was immer ich über das Spiel bei Kindern sage, ist in Wirklichkeit auch bei Erwachsenen anwendbar […]“ (Die therapeutische Arbeit mit Kindern, S. XXVI). Wir hoffen, wir haben Sie neugierig gemacht auf eine besondere Möglichkeit, etwas für uns und unsere PatientInnen zu tun, nämlich unsere therapeutische Haltung spielerischer zu gestalten und damit unsere Behandlungen zu vertiefen. Wenn Sie sich angesprochen fühlen, Sie sich jedoch noch nicht entscheiden können, dann informieren wir Sie gern über die Besonderheiten der Zusammenführung von Erwachsenen- und Kinder /Jugendlichenpsychotherapie, indem Sie sich weitere Informationsmaterialien schicken lassen und/oder an einer Informationsveranstaltung teilnehmen, zu der wir Sie hiermit recht herzlich einladen möchten. Ihre Ansprechpartnerinnen: Mona Brettschneider (m.brettschneider@bap-berlin.de) und Katja Schubert, Organisation (k.schubert@bap-berlin.de)